Augen und Ohren beim Hund im Agility
und täglichem Leben
Beim Agility arbeitet der Hund ja nur mit den Augen und den Ohren. Die Nase
wird dort eher selten benutzt, es sei denn das Leckerchen wird z.B. in den Tunnel
geworfen.
Aufgrund der Anatomie des Auges und der „Lage“ der Augen wird die
gesamte Umwelt nicht immer komplett gesehen, sondern nur als Ausschnitt. Dieser
Ausschnitt ist das Gesichtsfeld. Beim Menschen beträgt dieser Ausschnitt
ca. 130 Grad. In diesem Ausschnitt sieht der Mensch Bewegungen. Beide Augen
überschneiden sich beim Menschen ca. um 100 Grad. In diesem Feld kann der
Mensch klar und scharf sehen.
Beim Hund ist das Gesichtsfeld ca. 220 bis 270 Grad je nach Lage der Augen im
Kopf, Kopfform und Schnauzenlänge. Die Überschneidung ist eher gering
und zu vernachlässigen. Somit ist schon einmal der „Raum“ in
dem ein Hund Gegenstände sehen kann wesentlich größer als beim
Mensch.
Das Bewegungssehen hängt von Lichtreizen ab die das Auge aufnimmt. Es gibt
zwei Arten von Zellen im Auge die Licht aufnehmen können. Die „Stäbchen“
reagieren sehr empfindlich auf Licht können aber nur Schwarz und Weiß
aufnehmen. Die „Zapfen“ sind für die farbtüchtigen Lichtreflexe
zuständig.
Jetzt kommt der entscheidende Punkt! Das Auge des Hundes hat wesentlich mehr
Stäbchen als das Auge des Menschen und weniger Zapfen als beim Auge des
Menschen. Daher auch die „Farbschwäche“ eines Hundes!
Zusätzlich befindet sich noch eine Lichtreflektierende Schicht im Augenhintergrund
des Auges beim Hund, die „Tapetum lucidum“. Diese Schicht verstärkt
die Lichtempfindlichkeit des Auges deutlich.
Ein Hund sieht immer besser wenn sich das Objekt bewegt (auf der Hatz) oder
wenn der Hund sich selbst bewegt (im Agility Parcour)
Diese ganzen Faktoren erklären eine Menge von dem Verhalten im Agility
oder auch im täglichen „Renn Leben“ eines Hundes:
- Wenn der Hund z.B. eine lange Hürdenkombination nimmt und man schickt
den Hund dabei voraus, läuft er solange bis zu dem Punkt an dem der Hundeführer
aus dem Blickwinkel gerät. Dieser Punkt kann für uns sehr spät
sein. Also immer dran bleiben!
- Wenn ein Tunnel z.B. im Winkel liegt ist es immer besser bis genau in den
Winkel zu laufen. Denn der Hund sieht noch sehr lange „nach hinten“
aus dem Tunnel raus. Hinzu kommt noch das gehör des Hundes. Dazu später
mehr.
Somit dürfte klar sein, dass jede Bewegung des Menschen, jedes Handzeichen
vom Hund erkannt und ausgeführt wird. Wer „wild fuchteln“ über
den Parcour rennt, braucht sich nicht zu wundern wenn der Hund nicht so ganz
genau weiß wohin er soll. Ein Problem ist auch, dass wir „Zweibeiner“
immer versuchen mit den Händen unser Gleichgewicht auszugleichen.
Dies kann auch als Kommando gesehen werden.
Sehr stark fällt dieses „Bewegungssehen“ auch beim Slalom auf.
Selbst „Anfängerhunde“ fädeln besser in den Slalom ein,
wenn der Hund in der Bewegung auf die Stangen zugeführt wird. Ein „Anfängerslalom“
sollte auch immer mit einer hellen Stange (gelb) beginnen, so hat der Hund vielleicht
noch eine zusätzlich Chance die Slalom als Hindernis zu erkennen.
Das unsere Hunde ein sehr gutes Gehör haben ist uns ja allen bekannt. Jeder
Hund kann Töne bis 100 kHz aufnehmen und zuordnen. Wir Menschen schaffen
gerade mal 20 kHz!
Hinzu kommt das der Hund seine Ohrmuscheln unabhängig voneinander bewegen
kann.
Die sportlichen unter uns können dies einfach ausprobieren. Wenn der Hund
beim Agility im Tunnel ist (am besten ein 6 Meter Tunnel) und wirklich schon
durchläuft, springt man einfach mal über den Tunnel auf die andere
Seite. Der Hund weiß sofort das wir auf der anderen Seite sind, er hat
es gehört. Das gleiche funktioniert bei Hund die den Sacktunnel durchlaufen.
Ein Schritt auf die andere Seite und der Hund hat es schon mitbekommen.
Kommandos sollten daher auch immer im hohen Tonbereich erfolgen und brauchen
eigentlich nicht laut gegeben werden! Aber die erhöhte Lautstärke
macht man auch der eigenen Anspannung wegen und tut auch gut.